Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung in der Angewandten Genetik und Pflanzenzüchtung

Ziel der Wricke-Stiftung ist es, die Wissenschaft der Pflanzenzüchtung zu fördern, indem sie in einem dreijährigen Turnus hervorragende junge Forscherinnen bzw. Forscher mit einem Preis auszeichnet. Das Preisgeld stammt aus den Erträgnissen der Stiftung und beträgt zurzeit 30.000 €. Diese Summe sollte von den Geehrten vornehmlich für die eigene Forschung verwendet werden, wodurch eine Eigenständigkeit der eigenen Ideen unterstützt wird. Der Preis wird durch den Vorstand jeweils ausgelobt, indem die relevanten Forschungseinrichtungen angeschrieben werden. Eine Nomination von geeigneten Kandidaten ist jederzeit zusätzlich möglich, wobei die Nominierten nicht älter als 40 Jahre sein sollten. Während die Nominierten jeder Ethnie oder Nationalität angehören können, wurde von den Stifterehepaar gewünscht, dass die Forschungspreisträger Deutsch sprechen können. Hintergrund hierzu ist, dass die Preisträger ihre Wissenschaft der Bevölkerung im deutschsprachigen Rauminteressant vermitteln können. Durch die deutsche Sprache soll eine allgemeinverständliche Vermittlung der häufig hochkomplexen Inhalte und Methoden der wissenschaftlichen Arbeit gewährleistet werden. Insbesondre Frau Anna Wricke war diese allgemeinverständliche Vermittlung besonders wichtig.

Günter und Anna Wricke

Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Wricke
(1928–2009)

Günter Wricke, geboren am 3. Juni 1928 in Niederwerbig (Brandenburg), war Agrarwissenschaftler und Professor für Angewandte Genetik und Pflanzenzüchtung an der TU Hannover. Nach dem Abitur und einer landwirtschaftlichen Ausbildung begann er 1948 das Studium der Landwirtschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1951 an der Technischen Universität Berlin mit dem Diplom abschloss. 1953 promovierte er dort bei Prof. Hans Kappert zur Vererbung der Zwillingssamenbildung beim Lein.

In den folgenden Jahren arbeitete Günter Wricke als DFG-Stipendiat und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschungseinrichtungen der Pflanzen- und Forstgenetik. Ab 1956 war er in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Firma von Lochow-Petkus tätig, wo er grundlegende Arbeiten zur quantitativen Genetik, zur Roggenzüchtung und zur phänotypischen Stabilität von Sorten entwickelte. In dieser Zeit formulierte er das Konzept der Ökovalenz, das international breite Anerkennung fand.

1965 habilitierte er sich an der Technischen Universität Hannover und wurde 1967 zum Professor für Angewandte Genetik ernannt. Von 1970 bis 1996 leitete er das Institut für Angewandte Genetik in Hannover. Seine Forschung verband klassische, quantitative und molekulare Genetik und setzte frühzeitig molekulare Marker in der Pflanzenzüchtung ein. Günter Wricke betreute 33 Promotionen, leitete vier Habilitationen und veröffentlichte mehrere grundlegende Fachbücher. Er war Ehrendoktor der Universität Kiel und Ehrenmitglied der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er 2009 die Günter und Anna Wricke-Stiftung.

Günter Wricke verstarb am 8. Juli 2009.

Anna Wricke
(1929–2010)

Anna Maria Antonie Wricke, geborene Bogenschneider, wurde am 27. Oktober 1929 geboren. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie der Universität der Freien und Hansestadt Hamburg studierte Frau Bogenschneider Erziehungswissenschaften und legte 1958 in Hamburg die zweite Lehrerprüfung ab. In demselben Jahr heiratete sie Dr. Günter Wricke. Bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst unterrichtete sie an verschiedenen Schulen in Nordhorn, Hannover und Gehrden.Sie engagierte sich zeitlebens in wissenschaftsnahen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten und war insbesondere für ihr ehrenamtliches Wirken bekannt.

Im Jahr 2009 gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, Prof. Dr. Günter Wricke, die Günter und Anna Wricke-Stiftung. Ziel der Stiftung ist die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der angewandten Genetik und Züchtungsforschung erbringen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf landwirtschaftlichen, gärtnerischen und forstlichen Kulturpflanzen. Der Stiftungspreis wurde erstmals im März 2010 verliehen.

In ihren letzten gesunden Lebensjahren war Anna Wricke ehrenamtlich in der evangelischen Gemeinde Gehrden sowie im Heimatbund Niedersachsen tätig. Durch zahlreiche Vorträge und ihr kontinuierliches Engagement war sie im Raum Hannover eine geschätzte und bekannte Persönlichkeit. Ihr Wirken zeichnete sich durch Interesse an wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen, Geradlinigkeit sowie eine offene und zugewandte Haltung aus.

Anna Maria Antonie Wricke verstarb am 9. März 2010.